
Uwe Mewes setzt seine beeindruckende Solo-Reise mit dem E-Bike Richtung Nordkap fort.
Auf seiner rund 4.000 Kilometer langen Strecke hat er nun bereits die dritte Etappe erfolgreich gemeistert. Dieses sportliche Abenteuer verbindet er weiterhin mit einer absoluten Herzensangelegenheit: Uwe sammelt fleißig Spenden für unser Hospiz- und Palliativzentrum Niederberg in Velbert.
Wir sind tief dankbar für diesen großartigen Einsatz und wünschen Uwe auch für die kommenden Kilometer von Herzen eine sichere und gute Fahrt!
Möchten Sie seine Reise für den guten Zweck unterstützen? Jede Spende hilft: https://www.hospiz-velbert.de/live/So-helfen-Sie/helfen.aspx
Erfahren Sie im nunmehr dritten Bericht direkt von Uwe, was er auf diesem aktuellen Abschnitt erlebt hat:
"Weiter geht es in Norwegen. Nachdem ich mich vom Hafen Kristiansand in Süd-Norwegen die Berge hinauf gequält habe, krabbele ich jetzt an der Südwestküste entlang, man kann es fast schon Inselhopping nennen. Ich kann jedenfalls nicht sagen, dass ich alleine bin. Von der Fähre an hatte ich für einige Kilometer einen netten Holländer ähnlichen Alters und ähnlicher Einstellung als Mitfahrer. Die Kilometer haben ausgereicht, dass Jan und ich sich anfreunden konnten. Also tauschten wir die Telefonnummern aus, bevor wir uns in Brennåsen trennten. Dann ging es in die Berge und in die Wildnis. Atembetaubende Landschaft, Berge, Flüsse, Seen. Aber schaffe ich die Anstiege mit Strom und Muskelkraft? Da hatte sich meine Taktik bewährt: Anfänglich morgens viel selber treten und Strom sparen. Am ganz steilen Berg kurz kräftig hochschalten, dann wieder runter. So kam es, dass ich nirgendwo schieben musste. In der Wildnis gab es dann drei Nächte auf Campingplätzen. Zuerst im Wohnwagen - halb durch eine Hütte überbaut. Bei den nächsten wurde die Ausstattung immer besser, was mir beim Trocknen der nassen Sachen sehr entgegen kam. Abends am See zu sitzen lässt die an einem Regentag auf 81 km durchnässte Seele dann zur Ruhe kommen. Die Essgewohnheiten haben sich auch geändert, denn auf Campingplätzen gibts oft nichts. Dann werden abends halt Not-Maiskörner geknabbert und Rest-Tee getrunken und am nächsten Morgen nach einer Tankstelle oder einem Klein-Supermarkt Ausschau gehalten. Wenn irgendwo ein Rad davor steht, dann trifft man jemand, mit dem man sich austauschen kann. Wenn dann noch eine liebe Chefin mit hausgemachten Teilchen um die Ecke kommt, sieht die Welt wieder schöner aus. Aber es gab auch Momente, wo es mir etwas mulmig zumute war. Zum Beispiel durch einen unbeleuchteten Tunnel zu fahren. Sämtliche Geräusche sind dort um ein Vielfaches lauter. Manche Radfahrer greifen hier zu Ohrstöpseln, ich bisher noch nicht. Einmal las ich etwas von absteigen und schieben. Da gerade kein Auto hinter mir war, habe ich Volldampf gegeben und die 800 m schnell und unbeschadet hinter mich gebracht. Als ich in Egersund zu einer sonnigen und längeren Etappe nach Stavanger startete, haben mir überraschenderweise etliche fähnchenschwenkendeNorweger zugewunken und mich angefeuert. Als ich einmal an einem Streckenposten anhielt, wurde mir klar, dass ich zufällig in ein Radrennen geraten war. Die Tour de Fjord ist mi ca. 1000 Radfahrern das größte Ereignis des Jahres in der gesamten Region - und ich mittendrin. Da wird man immer mal von größeren Pulks mit einem Affenzahn überholt. Und das auf einer durchaus anspruchsvollen Strecke. Kieswege, die oft mit 10 % kurz ansteigen und fann auf der anderen Seite genauso steil hinab gehen. Quasi wie eine Achterbahn auf zwei Rädern, wo man aufpassen muss, keinen "Abflug" zu riskieren. Die alte Jærbahntrasse ist dort in Radfahrkreisen sehr bekannt und beliebt. Aber es war für mich ein Abenteuer der besonderen Art. Danach gab es in Stavanger ein schönes Hotelzimmer für zwei Nächte. Zur Erholung des Hinterteils, zum Waschen und Besichtigen einer tollen Altstadt. Und natürlich, um mit Leuten zu reden, wie z.B. einem Italiener, der in einer ruhigen Gasse eine urige Mittelmer-Küche bietet und fließend deutsch spricht. Von dort ging es per Schnellfähre in die Küsten- und Inselwelt vor Bergen. Fähre fahren macht richtig Spaß. Es geht schnell, ist oft sogar kostenlos und ganz unkompliziert, und es erspart einem etliche Kilometer. Eine leicht wellige Landschaft mit vielen Schafen, die ein wenig an Schottland erinnert. Und das erhabene Gefühl, einmal ganz oben auf einer langen Brücke zu stehen. Aber der Seitenwind ist nicht zu unterschätzen. Mein sechster Sinn, der mit einem gesunden Gefahrenbewusstsein ausgestattet ist, wird also weiterhin sehr gefragt sein. Aber ich bin froh und dankbar, dass sich das Wetter jetzt beständig bei einer angenehmen Wärme einpendelt."