
Uwe Mewes zieht es weiter unaufhaltsam nach Norden.
Seine beeindruckende Solo-Reise mit dem E-Bike in Richtung Nordkap geht in die nächste Runde: Die vierte Etappe steht an! Drei Etappen und unzählige Kilometer der rund 4.000 Kilometer langen Gesamtstrecke liegen bereits erfolgreich hinter ihm.
Das Beste daran: Jeder Tritt in die Pedale ist mit einer absoluten Herzensangelegenheit verbunden. Uwe sammelt auf seiner sportlichen Extremtour fleißig Spenden für unser Hospiz- und Palliativzentrum Niederberg in Velbert.
Wir sind tief beeindruckt von diesem großartigen Engagement und schicken Uwe die besten Wünsche für die kommenden Kilometer – komm weiterhin sicher und gesund an dein Ziel!
Möchten Sie Uwe auf seiner Reise begleiten und Gutes tun? Jede Spende unterstützt unsere Arbeit direkt vor Ort: https://www.hospiz-velbert.de/live/So-helfen-Sie/helfen.aspx
Was Uwe auf dem letzten Abschnitt alles erlebt hat, erzählt er Ihnen am besten selbst. Hier geht es direkt zu seinem nächsten persönlichen Reisebericht:
"Jetzt bin ich schon hinter Bergen und es ist an der Zeit, weiter zu berichten. In Bergen hatte ich dann meinen Kulturschock bekommen. Zuerst tagelang nur Natur, und dann auf einmal eine quirlige Stadt mit vielen (zu vielen) Touristen, die in allen Sprachen der Welt durcheinander schnattern. Und ein schneller, hektischer Verkehr. Du suchst was und blickst versonnen irgendwohin - und es schneidet Dir irgendjemand brutal den Weg ab. Immerhin stehen die alten Holzhäuser im Viertel Bryggen noch, das Lokal "Egon" ist immer noch schön und empfehlenswert. Und ich habe im "Entenladen" eine Wikinger-Ente gekauft. Als ersatz für mein flügge gewordenes Quietsche-Entchen. Dann gab es auch Baustellen, bei denen die ganze Straße gesperrt wurde. Was wieder eine Gelegenheit für ein nettes Gespräch mit der Aufsichtsperson war. Wie mir erklärt wurde, leitet man das viele Wasser, welches aus dem Berg kommt, oftmals unter der Straße her und auf der anderen Seite bergab oder in den Fjord. Diese Leitungen werden irgendwann brüchig und müssen ausgetauscht werden. Somit ist der Straßenbau sehr wichtig für die funktionierende Infrastruktur. Aber auch im norwegischen Schilderwald darf der Humor nicht zu kurz kommen. Ein weiteres Erlebnis ist es auch, über hohe und lange Brücken zu fahren. Hier ist der Seitenwind nicht zu unterschätzen. Wo ich mich mittlerweile immer sehr darauf freue: das Fähre fahren.Es ist gratis & entspannt, man erspart sich lange Umwege, und man kann einen Kaffee trinken und eine Kleinigkeit essen. Einmal hatte ich um 18.00 Uhr eine Fähre verpasst und hätte dann zwei Stunden warten müssen. Da lernte ich Sven und Henriette kennen. Zwei Norweger, die für die staatliche Leuchtturm-Gesellschaft unterwegs waren. Wir haben uns dann auch auf der Fähre noch so nett unterhalten dass es zum Austausch von Telefonnummern und Visitenkarten kam. Die beiden verfolgen meine Reise also auch mit echtem Interesse. Wer mittlerweile mein ständiger Begleiter ist, ist der Regen. Von Nieseln über Dauerregen bis hin zum kräftigen Platzregen ist alles drin. Typisch für Norwegens Westen, wo man bei Nieselregen schon von "Schönwetter" redet. Da trennt sich kleidungsmäßig die Spreu vom Weizen. Meine Jack Wolfskin Jacke war total untauglich, also ab in die Mülltonne. Auch mein teurer und leichter Regenkombi aus Deutschland hat sich beim Dauer- und Platzregen nicht bewährt. Das einzig wahre ist tatsächlich der in Stavanger gekaufte norwegische Anorak. Er ist atmungsaktiv, gut gegen Regen und hält innen warm. Ich als absoluter "Regen-Gegner" und dann tagtäglich durch den Regen strampeln? Nach anfänglichem Humor der Verzweiflung (da musste halt durch) hat sich mittlerweile ein gewisser Gleichmut eingestellt. Wie ihn die hier draußen lebenden Tiere auch haben. Gucken, fressen, bimmeln, mööööh... der Lebensinhalt von Schafen, Ziegen usw. Es geht auf dem Lande recht tierisch auf den Straßen zu, Autos oder Radfahrer werden allenfalls geduldet. Die Erlebnisse gehen weiter - rund um die zahlreichen Tunnels. Anfangs schreckte mich der dort sehr hohe Geräuschpegel. Dann hatte mir in dem ersten längeren Tunnel ( 4 km lang) ein weiblicher norwegischer Schutzengel eine reflektierende Warnweste geschenkt. Sie meinte, das wäre sicherer, weil man mich dann besser sieht. Seitdem bin ich schon mehrere Tunnel gefahren und fühle mich so sicher, dass ich bergab gerne mal 40 km/h drauf habe. Manche Tunnel haben Umfahrungen, bei denen auch für Überraschungen gesorgt wird, so wie z.B. kreuz und quer liegende Bäume oder holperiger Asphalt, wo auch die Wikinger-Ente einen Flugversuch unternehmen wollte. Seitdem wird sie gnadenlos gefesselt. Ein absolutes Highlight ist für mich der Trollstigen. Eine Paßstraße im Hochland, besonders bekannt durch die Abfahrt (Panoramastraße) die hautnah an mehreren Wasserfällen vorbei führt. Zu bewundern sind die Fahrer der großen Reisebusse, die ihre Gefährte mit traumwandlerischer Sicherheit durch die engen Straßen und Haarnadelkurven hindurch steuern. Der angenehme Nebeneffekt für mich als Radfahrer ist, dass der Verkehr insgesamt sehr langsam fließt. Oben auf dem höchsten Punkt ist es natürlich schweinekalt. Das bezeugen die Schneereste. Der Rummel mit den Trollfiguren ist ja ganz niedlich, aber er hat für mich schon einen Touch von Disneyland. Wenn man dann weiter durch die Einsamkeit radelt und seinen Gedanken nach hängt, stößt man auch auf Gedenksteine wi zum Beispiel an den Steinschlag und Flutkatastrophe von Tjellafonna. Dort wurden im Jahre 1756 196 Häuser zerstört, 32 Menschen starben und es gab eine Flutwelle von 40-50 m Höhe. Jetzt bin ich gerade in einem altehrwürdigen Hotel in Sunndalsøra und warte darauf, dass das Wetter ein wenig aufklart, um die vorletzte Etappe nach Trondheim in Angriff zu nehmen."